Wo bleibt dein Fazit, Lena?

Mittlerweile ist es schon fast Juni und ich bin immer noch nicht dazu gekommen einen kleinen abschließenden Post über mein Auslandssemester zu veröffentlichen. Geschrieben habe ich ihn schon vor Monaten. Genau genommen noch direkt im Flugzeug auf dem Heimflug, um meine Eindrücke möglichst „frisch“ fest zu halten. Ich bin aber trotzdem froh, dass ich ihn jetzt, mit etwas Abstand, noch einmal auffrischen konnte.

Viel Spaß damit!

Ich sitze gerade im Flugzeug auf dem Weg nach Frankfurt und lasse die vergangene Zeit Revue passieren. Es waren interessante und lehrreiche fünf Monate, auch wenn es nicht in allen Bereichen so lehrreich war, wie ich es mir erhofft hatte, aber dazu mehr im nächsten Post.

Ich war im Januar wirklich kurz davor alles zu verfluchen als ich wieder in Lissabon ankam. Wenn man überhaupt von ankommen sprechen kann…

Es fing damit an, dass ich meine Metrokarte verlor und es wurde nicht besser. Grundsätzlich bin ich ein positiver Mensch, der in allem noch etwas Gutes sieht, aber es kam einfach zu viel auf einmal!

Von A bis Z lief alles schief. Ich war zwischenzeitlich fast obdachlos, wurde von Holmes Place versucht über den Tisch zu ziehen (Vertragsfälschung), musste einen Nachmieter in Deutschland finden, einen Umzug organisieren und vieles mehr. Ich war zwischendurch sogar noch mal drei Tage in Deutschland. Dadurch war mein letzter Monat nur bedingt ein „Auslandssemester“, weil ich mit meinen Gedanken überall, nur nicht in Lissabon, war.

So wirklich angekommen bin ich erst wieder durch das Video unten. Für die Abgabe in meinem Videokurs musste ich einen dreiminütigen Kurzfilm konzipieren, drehen und schneiden. Wer mag, kann ihn sich hier gerne mal anschauen. Genauer berichte ich aber auch noch im nächsten Post darüber.

 

Ich habe viel gelernt und bin dankbar, für alles. Es hätte in der Summe ein bisschen weniger sein dürfen… die Verbrennung zum Beispiel hat mir nachhaltig nur eine Narbe in L-Form hinterlassen. L wie Lissabon? Zufall? Schicksal! Everything happens for a reason.

Ich bin dankbar unterschiedlichste Menschen kennengelernt, in dieser wunderschönen Stadt gelebt, Yoga für mich entdeckt und tollen Besuch bekommen zu haben. Dankbar in schwierige Situationen geraten zu sein, die mich erwachsen werden lassen und eben unglaublich lehrreich sind.

Ich bin dankbar für meine wundervolle Familie, die mittlerweile sogar um zwei Mitglieder gewachsen ist, dankbar für meine Freunde, dankbar heimzukommen und mit offenen Armen empfangen zu werden, dankbar in einem so tollen Land geboren zu sein und last but not least: dankbar für dich.

Und wo wir schon beim Thema Zufall? Schicksal! sind. Im Flugzeug neben mir sitzt ein Mann der „Game Over“ auf seiner Wange tätowiert hat. Mein Abenteuer Lissabon ist jetzt over, aber eigentlich geht’s jetzt doch erst richtig los…

Eure Lena

 

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Flying home for christmas…

Morgen geht es für mich schon in Richtung Heimat um Weihnachten mit meinen Liebsten zu verbringen. Der Rückflug steht schon sehr lange, weil ich ihn mit dem Hinflug zusammen gebucht habe.

Die Vorweihnachtszeit ist bisher sehr schön. Ich bin sowieso ein Fan von allem, was mit Weihnachten zutun hat. Plätzchen backen, Geschenke kaufen (ich liebe, liebe, liebe es), dekorieren, Glühwein oder heißen Orangensaft trinken und sich auf einen Abend mit der Familie freuen. Der „Mercardo Natal“ (Weihnachtsmarkt) konnte uns hier allerdings nicht so überzeugen, auch wenn es „Glühwein“ (ja, das stand da genau so auf deutsch) gab. Bei 15 Grad kommt man einfach nicht so in Stimmung und Merry Christmas im Hintergrund zu hören macht die Sache irgendwie noch skurriler.

Dieses Jahr ist Weihnachten was ganz besonderes, weil wir im neuen Haus von meinem Bruder feiern. Es wird ganz entspannt (für Stefan auch, wenn er die Gans bezwungen hat). Wir Wichteln und werden uns somit den vorweihnachtlichen Stress etwas minimieren, den viele durch das Kaufen von Geschenke verspüren. Ich werde meine Kreativität wohl kompensiert auslassen müssen – vielleicht wird es den ein oder anderen freuen. Aber ich konnte es trotzdem nicht lassen 10201003 Sachen aus Lissabon mitzubringen. Übergepäck ich komme!

Ich freue mich nach vier Monate alle wieder in die Arme schließen zu können und vor allem auf mein Patenkind, das mittlerweile bestimmt schon riesig geworden ist. Der kleine Butz wurde nämlich drei Tage bevor ich geflogen bin geboren. An Babies sieht man immer ziemlich krass, was Zeit eigentlich bedeutet.

Egal wie schön es hier ist und wie sehr ich mich in Lissabon zu Hause fühle – home is where the heart is und das ist bei mir definitiv sehr stark in Hessen lokalisiert.

2009 war ich an Weihnachten ganz alleine in Amerika. Auf die Spitze hat es damals an Heiligabend noch ein Schneesturm getrieben, durch welchen ich bei einer Freundin, die mit der ganzen Familie zu Opa und Oma fuhr, ganz alleine saß und eingeschneit war. Es war eine Erfahrung! Ich erinnere mich wirklich noch sehr genau an diesen Tag. Da wurde ich auf einmal und ganz ungefragt zu einem großen Mädchen das nicht mal geweint hat!

Nach dieser kleinen Anekdote zurück zum Thema. Ich war schon immer ein Familienmensch, bin aber auch vom Fernweh getrieben. Ich glaube das ist einfach ein Virus den man, einmal damit infiziert, nicht mehr los wird. Ich finde es besonders schön, dass manche Dinge im Leben, die so selbstverständlich scheinen, durch den Abstand wieder so besonders werden. Man bekommt einen anderen Blick und genau deshalb ist meine Vorfreude auf Weihnachten dieses Jahr so groß wie schon lange nicht mehr.

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Und mit diesem passenden Bild wünsche ich euch noch eine schöne Vorweihnachtszeit. Lasst euch nicht stressen und nehmt euch ab und zu auch einfach mal Zeit für euch. Sammelt euch, lasst euch treiben und genießt den Moment. Das Leben ist so wunderbar und unser Alltag schafft es leider immer wieder uns das nicht begreifen zu lassen!

Also Deutschland. Wir sehen uns morgen. Ich wünsche mir Schnee, Sonne und freue mich auf die Heizungen in Deutschland, die sucht man hier leider vergebens.

 

 

 

Roadtrippin‘ Video #3

Endlich, endlich, endlich.

Passend zum momentanen Kuschelwetter und dem Beginn der Weihnachtszeit habe ich endlich mein Video vom Roadtrip mit Ida fertig bekommen.

Gerade der Unfall vor zwei Wochen hat mich etwas aus der Bahn geworfen, weshalb ich nun, später als erhofft, das Video hochgeladen habe.

Ich hoffe schöne Eindrücke eingefangen zu haben, um euch einen weiteren Einblick in meine Zeit hier in Portugal zu geben.

Und spätestens weil ich letzte Wochen zum zweiten Mal in Porto war MUSSTE das Video endlich mal online.

Viel Spaß beim Anschauen!

 

 

 

 

 

 

 

Freitag, der Dreizehnte

Nein, ich war nicht auf einem Festival. Ich war im Krankenhaus.

Es gibt einfach Dinge, die dürfen bei keinem Auslandsaufenthalt fehlen.
Ich kann das jetzt auch von meiner To Do Liste abhaken.
Wie war das? “Jede Woche etwas tun, was man vorher noch nie getan hat”.
In der Notaufnahme in Lissabon gewesen. Check.

Jetzt aber mal zurück auf Anfang. Was ist eigentlich passiert?

Freitag, der Dreizehnte

In der Vergangenheit schenkte ich dem Tag nie besonders große Aufmerksamkeit und meistens war es sogar ein besonders guter Tag. Mein Auslandssemester wäre aber langweilig ohne einen richtigen Freitag den 13ten, oder?
Eigentlich war es ein ganz normaler Tag…

Ich war um 10 in der Uni, Christina hatte Geburtstag und wir wollten abends dann noch gemeinsam was unternehmen, aber erst gegen späten Abend / Nacht, weil sie um 22.30 noch einen Besuch vom Flughafen abholen musste. Das kam mir aber eigentlich ganz gelegen, weil ich mir so mal wieder einen ganz entspannten Abend machen konnte. Schon beim Mittagessen fing es dann aber an…  Nachdem wir drei Stunden auf unser Essen gewartet hatten, bekam Denise einen super leckeren Fisch- Gemüseeintopf kredenzt, den sie nicht essen konnte. Ist vielleicht nicht der Tag um „mal was Neues auszuprobieren“. Eigentlich ist danach gar nichts mehr passiert. Bis ca. 19.50 Uhr.

Ich war zu Hause und machte Pancakes. Ich war richtig happy. Dazu haben die Pancakes natürlich einen großen Teil beigetragen ;). Mit vollen Magen und glücklich wollte ich skypen und mir vorher kurz noch einen Tee machen. Wasser gekocht. Teekanne geholt. Wasser in die Teekanne geschüttet und plötzlich knallt es und die Teekanne zerspringt.

Mein Oberschenkel und mein Oberkörper bekommen das heiße Wasser ab. Meinen Wollpullover habe ich sofort von meiner Haut weggehalten, aber meine hautenge Jeans brennte sich gefühlt in meine Haut ein. Vor Schock und Schmerz konnte ich kurzzeitig nicht mehr atmen und war auch nicht in der Lage die Hose auszuziehen. Nach einigen Schocksekunden war das aber die einzige Lösung. Die heiße Hose muss aus! Als ich sie ausgezogen hatte, setzt ich mich hin. Die Schmerzen waren wirklich höllisch! Mir liefen die Tränen und ich musste mich erst einmal sammeln, bis ich dann meine Hose komplett auszog und in die Dusche ging, um kaltes Wasser über den Oberschenkel laufen zu lassen. Im ersten Moment war das kaum möglich, aber ich wusste: Da muss ich durch.

Ich war alleine zu Hause, aber glücklicherweise hatte ich Unterstützung via Skype. Muito, mutig obrigada noch mal an dieser Stelle ❤

Mein Abendprogramm hatte sich etwas verändert. Ich habe Denise geschrieben das mir „etwas Blödes passiert ist“ und ich mich verbrüht habe. Sie rief sofort an und war meine Rettung, weil sie zwei sehr nette Freunde in Deutschland hat, die beide Ärzte sind. So bekam ich dann quasi direkt ärztliche Betreuung und eine Ferndiagnose via Skype. Noch mal tausend Dank an euch an dieser Stelle!

Ich lag in der Zwischenzeit mit Kühlakkus im Bett und habe irgendwie versucht die Schmerzen zu ertragen. Ich bin nicht so zimperlich, aber das waren wirklich unglaubliche Schmerzen, sodass ich dann doch zu einer IBU 800 griff. Die verbrannte Stelle schien erst mal ca. so groß wie zwei Hände. Später ging die Rötung dann weg und es bildeten sich konzentriert dunkle Stellen, dann auch Blasen. Mit den Blasen wurden die Schmerzen weniger. Deshalb bestellte ich Denise zu mir und wir machten noch das Beste aus dem Abend. Ja, ich bin dann sogar noch in die Stadt gefahren. Mit Jogginghose (was anderes war nicht möglich) gekleidet sind wir gerade noch so um 00:59 (um 1:00 Uhr kommt man nicht mehr in die Metro) losgefahren.

…als ich Nachts allerdings heimkam, sah die ganze Sache schon viel dramatischer aus. Die Blase wurde immer größer, mittlerweile war sie so groß wie mein Daumen und auch recht hoch.

Als es morgens dann noch mal deutlich schlimmer wurde, war ich mir nicht mehr ganz sicher, wie ich mit der Blase nun umgehen sollte. Ich hatte Angst sie könne jeden Moment platzen… das ist ziemlich viel Wundwasser da drin. Nach dem ich noch mal mit den Ärzten aus Deutschland gesprochen haben stand es dann fest: ab ins Krankenhaus. Die Wunde muss versorgt und von einem Arzt vor Ort beurteilt werden. Irem und Denise waren so lieb und sind mit mir ins Krankenhaus gekommen. 1000 Küsse an euch dafür! Wir sind zuerst mal in der Kindernotaufnahme gelandet („Warum sind hier so viele Kinder?“). Irgendwann waren wir dann aber richtig.

Emergencia

Eigentlich ein ganz netter Ausblick. Ich dachte kurz: „Hat sich ja fast gelohnt sich das Bein zu verbrühen.“. Diese Aussage wird Madame aber in den kommenden Tagen noch gewaltig bereuen. 

Ich habe eine Verbrennung zweiten Grades. Die doch recht große Brandblase (ca. 10 cm x 3 cm) wurde aufgestochen, gereinigt und die verbrannte Haut entfernt. Jetzt muss ich drei Mal die Woche zum Arzt und den Verband wechseln lassen. Das ist jetzt wirklich das größte Übel an der ganzen Sache: die Nachwirkungen. Die Wunde ist offen und muss deshalb regelmäßig richtig desinfiziert und verbunden werden. Ich kann nicht abschätzen wie lange das dauert, aber Minimum drei Wochen, eher fünf. Die Wunde darf nicht mit Wasser in Verbindung kommen, das heißt duschen ist ein Kunststück und auch mein geliebtes Schwimmen fällt die nächsten Wochen für mich aus. Was für ein Mist! Sport geht aber. Es gibt also keine Ausreden.

Da ich zum Verbandswechsel nicht in ein Krankenhaus muss, war ich auf der Suche nach einem Arzt in der Nähe. Ich habe meine Mitbewohnerin um Hilfe gebeten, immerhin ist sie ja Portugiesin und kennt sich etwas aus. Ich glaube sie wollte mich testen.

ES WAR SO STRANGE. Ich wünschte einfach nur, ich hätte eine versteckte Kamera mitgehabt. Vielleicht das nächste Mal, obwohl ich mir noch nicht sicher bin, ob es ein nächstes Mal bei ihm geben wird.

Der gute Mann war wirklich bemüht, aber… stellt euch einfach mal vor ihr geht in einem fremden Land, dessen Sprache ihr nicht beherrscht, zum „Arzt“ und landet in irgendeinem Haus, bei irgendeinem Mann, der die 60 schon weit überschritten hat und dessen Kollege wahrscheinlich gar nicht mehr so alt werden kann wie er aussieht, und er schmeißt euch direkt auf seine Behandlungsliege, ohne auch nur nach eurem Namen gefragt zu haben. Nix da Krankenkarte abgeben. Nix da Wartezimmer. Außer mir waren auch leider nur die zwei älteren Herren da. Eigentlich war bei mir alles auf Flucht eingestellt, aber ich fand es dann doch schon wieder lustig und habe mir die Comedy mal angesehen. Es war wirklich wie in einem 20er Jahre Stummfilm. Abgesehen davon, dass es genau so aussah, hat der Gute auch jede Bewegung so wundervoll ausgeführt, dass ich einfach nur lachen musste. Einmal hat er kurz den Raum verlassen und ich konnte mich nicht mehr halten vor lachen. Was mache ich hier? Und vor allem was macht ER hier an MIR? Er hat sich bemüht langsam zu sprechen, aber eu compreendo nada. Ich nichts verstehen.

 

Ich habe lange überlegt ob ich diesen Kommentar los werde,
aber ich entscheide mich mal dafür nicht den Mund zu halten!

Um 21.17 Uhr hat es zum ersten Mal geknallt in Paris. Es ist erschreckend und mir läuft ein Schauer über den Rücken wenn ich daran denke was, ungefähr zeitgleich zu meiner Verbrennung, in Frankreich passiert ist. Es klingt vielleicht schwachsinnig, und ja der Vergleich ist makaber, aber ich bin in Tränen ausgebrochen weil ich mir, vom Schmerz noch richtig gepackt, vorstellte wie unfassbar qualvoll es sein muss zu verbrennen. Nur eine Wunde so groß wie meine Hand nimmt mir die Luft zum Atmen. Auch die Geschehnisse von Freitag Abend nehmen vielen die Luft zum Atmen und noch viel schlimmer, geliebte Menschen, Freunde, Familie werden uns genommen. Einfach so. Aber nicht nur das. Mir fehlen an dieser Stelle die Worte und ich weiß nicht, wie sich die Lage in der Zukunft entwickeln wird, aber ich weiß, dass man darüber nicht schweigen sollte. Es wird Geschichte geschrieben und das meine ich leider in keinem positiven Sinne, dennoch sind wir hier und jetzt dafür verantwortlich wie sich die Welt von heute entwickelt.

Diesmal ist es anders

Olá Novembro

…es ist schon wieder November. Die meisten von euch haben sicherlich auch schon mitbekommen, dass in sieben Wochen Weihnachten vor der Tür steht. Spätestens jetzt wisst ihr es und könnt ohne schlechtes Gewissen Lebkuchen kaufen. Apropos Lebkuchen. Im Supermarkt hier in Portugal ist mir das noch gar nicht so aufgefallen wie in Deutschland. Sie haben es auf keinen Fall schon im August in den Regalen.

Ich schweife ein wenig ab und befürchte vor lauter Weihnachten nicht mehr auf das eigentliche Thema zu sprechen zu kommen.

Uni.

Ja, ich habe es endlich geschafft meine ganzen Kurse zu wählen, bin offiziell an der Uni eingeschrieben und alles läuft nach meinen Vorstellungen (sagen wir mal für portugiesische Verhältnisse).

Zu eurer Information: Ich sollte im Auslandssemester 30 ETCS (Europäische System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen) anstreben, muss aber, um die Erasmusförderung zu bekommen, mindestens 20 davon erfolgreich bestehen. Inwieweit mir die Kurse dann in Deutschland angerechnet werden ist noch mal ein ganz anderes Thema, das in erster Linie nichts mit den Erasmusbestimmungen zutun hat. Für all diejenigen, die hier mitlesen und sich für ein Auslandssemester mit Erasmus interessieren oder allgemein gerne mehr zu dem Thema erfahren wollen: Ich werde nach meinem halben Jahr hier eine Art Erfahrungsbericht veröffentlichen mit allen nützlichen Informationen zu dem Thema.

Als ich im Mai meine Kurse bei meiner Bewerbung wählen musste, gab es weder Stundenpläne, noch hatte ich die Möglichkeit richtig Einblicke in meine Auswahl zu bekommen. Deshalb war das sehr willkürlich und ich habe die meisten Kurse geändert. Was auch noch hinzukam: Ich wählte sehr viele Masterkurse, allerdings wurde hier dieses Jahr kein Design Master angeboten, da es zu wenige Bewerbungen gab (*edit: jetzt doch, aber die Kurse gehen bis Ende März). Alleine aus diesem Grund musste ich noch mal komplett neu wählen und das habe ich auch ausführlich in den letzten Wochen getan, bin in sämtliche Kurse reinspaziert, manchmal aber auch noch viel schneller wieder herausspaziert. In den meisten Fällen waren meine Erfahrungen aber wirklich überaus positiv. Die Profs nahmen sich immer die Zeit und erklärten ihre Fachinhalte und die Projekte für das kommende Semester.

Die Kurse sind alle auf Portugiesisch. ABER es wird eigentlich immer alles übersetzt, eine kleine Zusammenfassung gegeben oder anderweitig sogar manchmal zum Teil auf Englisch gesprochen. Man hat also wirklich keine Probleme, zumindest nicht in meinen Kursen. Habe auch andere Erfahrungen gemacht, aber dann war mir eben bewusst, dass ich den Kurs nicht wählen kann. Wenn man sich etwas darauf einlässt und konzentriert fängt man wirklich nach ein paar Wochen an vieles zu verstehen (oder zumindest bilde ich es mir ein).

Da ich gemerkt habe, dass portugiesisch zwar nicht notwendig, aber trotzdem unabdingbar ist, wollte ich unbedingt einen Sprachkurs machen. Die Zeiten vom Sprachkurs wurden aber erst NACH den ersten Wochen Uni veröffentlicht, was bedeutet hat, dass ein Kurs mit dem Sprachkurs kollidierte. Genau deshalb habe ich dann noch mal gewechselt, weil mir der Sprachkurs einfach wichtig ist. Im Grunde kann man sich auch alleine Zuhause mal hinsetzen und sich Dinge selbst beibringen, aber irgendwie hat das bei mir einfach nicht funktioniert. Es ist außerdem noch mal etwas anderes, wenn eine Muttersprachlerin dir alles vor Ort erklärt auf Fragen, Probleme und weiteres direkt eingehen kann.

Jetzt zu meiner Wahl:

Sprachkurs
Level A1 Anfänger mit einer Klausur am Ende (ich werde als im 7. Semester meine allererste ‚Klausur‘ schreiben)

Intoducao a Fotografia 
Hier machen wir Fotogramme und werden später aus einem Schuhkarton eine analoge Kamera bauen und diese Bilder dann auch belichten. Es macht Spaß mit der Technik zu spielen und sich etwas auszuprobieren.

Operators de Camera e Video I
Der Kurs ist eigentlich komplett auf Portugiesisch, aber er ist sehr praktisch, deshalb funktioniert das. Allerdings bin ich immer überrascht, wenn mir dann doch mal was übersetzt wird, um was es gerade ging, haha. Zum Beispiel wurde erklärt, wie man das Stativ aufbaut. Man muss immer zuerst den „Handgriff“ hoch stellen. Als Beispiel hat der Professor eine nette Geschichte von zwei Verliebten erzählt, die Sex haben werden. Ich saß ganz emotionslos da und alle anderen waren vollkommen fassungslos. Naja. Ich sage mal so viel: Ich werde niemals mehr vergessen, dass das „Ding“ zuerst hoch muss und dann die „Beine“ breit gemacht werden können…

Cinema

Design e Gestao
‚Design Management‘ Zum einen Teil ein etwas theoretischer Kurs, wo viel über Marken, Agenturen, die Aufgaben eines Designers gesprochen wird (die oftmals über die reine Gestaltung hinausgehen), aber auch praktisch mit Aufgaben wie z.B. ein Konzept für die Lösung von Problemen von Bruno Munari anzuwenden am Beispiel von dem Problem „Kuchen backen“. So verinnerlicht man die Schritte.
Bei der nächsten Aufgabe müssen wir jetzt unsere eigene Marke entwickeln. Vom Namen, über das Corporate Design bis hin zum Marketing. Super nette portugiesische Kommilitonen auch hier. Der Professor übersetzt immer direkt alles und fasst es für mich zusammen. Da es aber auch viele Englische Begriffe sind verstehe ich sehr viel. Außerdem spricht der Professor so passioniert, dass es leicht fällt zu folgen.

Zutat namens Liebe Cinnamon buns

Infografia
Infografik. Das erste Thema war eine Infografik in Größe A2 zum Thema Refugees zu erstellen. Hierbei mussten wir den Text und Informationen aus einem Artikel unserer Wahl verwenden.

Tetrato Fotografico
Portrait Fotografie. Super Kurs. Nette Leute, netter Professor. Nette Bilder. Es macht echt Spaß und die Ausstattung ist auch super hier.
Ich zeige euch mal zwei Beispielbilder.

Goofball Portrait

Ilustracoa Digital
Das ist so ein Kurs den ich in die Kategorie ‚Herausforderung‘ stecke. Ich habe mir zu meinem Geburtstag 2014 ein Grafiktablett gewünscht und es auch sehr oft benutzt um Bilder zu bearbeiten und auch für alle normalen Arbeiten in inDesign etc. aber wirklich gezeichnet habe ich damit nie, weil ich der Meinung bin ich kann es einfach nicht und sollte mich mit anderen Dingen beschäftigen. Es ist aber einfach Übung, Übung, Übung und Digitale Illustrationen faszinieren mich schon sehr. ICH WILL DAS AUCH KÖNNEN. Richtig. Können. Nicht lernen. Momentan zeichne ich Katzen, die aussehen als wären sie von einer Grundschülerin gezeichnet worden. Um Gottes Willen. Vielleicht fühle ich mich am Ende in der Lage mal ein Ergebnis zu präsentieren oder ich hacke das Thema Zeichen endgültig für mich ab. Ich bin ein großer Befürwortet, dass man viele Dinge ausprobiert, die man noch nicht kann und nicht nur in seiner gewohnten Komfortzone bleibt, aber ich merke mittlerweile (wurde mir auch durch mein Praktikum bewusst), dass man sich auch irgendwann mal für eine Richtung entscheiden muss und da zum Experten wird. Immer alles zu können geht einfach nicht. Da kann man vor allem in unserer heutigen Zeit einfach nicht mithalten bei den ganzen Veränderungen.

Insgesamt komme ich damit genau auch 30 ETCPs und bin echt happy über die Kurse. Es ist nicht einfach bei so einem Überangebot. Kurze Info zwischendurch: Als Erasmusstudent darf ich aus ALLEN Studienrichtungen wählen. Ich sollte mir hierbei nur im klaren sein, dass ich es im Zweifelsfall in Deutschland nicht angerechnet bekomme, weswegen ich versucht habe immer noch studiengangsspezifisch zu bleiben. Meine Kurse aus dem Studiengang „Video“ und „Fotografie“ passen ganz gut rein.

Im Laufe des Semesters werde ich euch hier vielleicht weiter Sachen zeigen bzw. am Ende meine fertigen Projekte oder ihr könnt auch gerne mal auf meiner Behance Seite vorbei schauen. Dort stelle ich auch Arbeiten von mir online.

Damit dieser Blogeintrag eine Runde Sache wird, höre ich auf, wie ich angefangen habe: Es ist November!!!

Das erste Nutellaglas ist leer!

Nutellaglas

Vielleicht denkt ihr euch jetzt, dass ich diese Information auch für mich behalten könnte, mir wurde heute Morgen aber dadurch bewusst, wie die Zeit fliegt. Ich bin mittlerweile schon seit sieben Wochen in Portugal. Das sind fast zwei Monate, was bedeutet nicht mehr lange und die Hälfte ist schon vorbei.

Nicht nur das. Gestern habe ich meinen Rückflug am 11. Februar gebucht und auch das machte mich etwas sentimental. Ich muss dazu sagen, dass ich mit einer fetten Erkältung im Bett liege und es seit drei Tagen regnet. Da kann man schon mal etwas sentimental werden. Ich vermisse einige Dinge aus Deutschland, aber so wirklich Heimweh überkam mich noch kein einziges Mal. Es tut mir leid, aber Lissabon gibt sich viel Mühe eine perfekte Heimat auf Zeit zu sein. Ich bin richtig glücklich und gewöhne mich an das Leben hier.

Ich war in den letzten Wochen fleißig am Erinnerungen machen.

Und da ein Bild manchmal mehr sagt, als 1000 Worte, bin ich jetzt mal still.

Castelo

We keep this love in a photograph. We make these memories for ourselves!

At night

Tejo

Lisbon

City view

Streets of Lisbon

Columbo    Orangensaft

Kartoffelpfannkuchen mit Fleisch    Kartoffelpfannkuchen

P.S.: Ich wünsche keine Kommentare zu meinem überschwänglichen Nutellakonsum #gettingfat #schokolademachtglücklich

Die Uni geht los

Während meinem Auslandssemester in Lissabon werde ich die Universidade Lusófona de Humanidades e Tecnologias besuchen. Das ist eine der zwei privaten Unis in Lissabon, die momentan ca. 12.500 Studenten besuchen.

Was mir bisher am besten gefällt ist definitiv der Weg zur Uni. Jeden Morgen darf ich durch diesen wunderschönen Park laufen und werde von der Sonne geblendet,
die durch die Palmen scheint.

Wegzuruni

Mittlerweile schaffe ich es sogar pünktlich eine viertel Stunde zu spät zu kommen – Mensch was muss man sich das erst mal abgewöhnen pünktlich zu sein.
Dann sitzt du nämlich erst mal alleine da!

Ich zitiere an dieser Stelle einen meiner Profs
„There is an American Way of Life and there is a Portuguese, believe me.“
(Es gibt einen Amerikanischen Lebensstil und einen Portugiesischen, glaube mir)

Ein paar kurze Beispiele, was man sich darunter vorstellen kann. Zum einen die eben schon angesprochen „Pünktlichkeit“. Laut Studienplan fing einer meiner Kurse um 8.00 Uhr an. Der Dozent kam um 9.15 Uhr.

Im Plan stehen Räume, in dem die Kurse stattfinden. Wenn du jetzt denkst, dass der Kurs auch wirklich in dem Raum stattfindet, hast du dich getäuscht, WEIL beispielsweise zwei Kurse im gleichen Raum stattfinden sollten, wurde der Raum mal eben gewechselt und alle sind verwirrt. Natürlich bin ich neu, aber auch die Studenten hier sind nicht minder verwirrt. Es ist normal, dass man die ersten vier Wochen ein wenig „herumirrt“ und alles vierzig mal umgeschmissen wird. Am besten gewöhnt man sich schnell dran.

Ansonsten ist es das übliche Chaos, mehr dazu werdet ihr definitiv in einem der nächsten Videos zu sehen zu bekommen. Ich hoffe ich komme in einen Video Kurs, damit ich auf diesem Gebiet was lerne und mich entwickle, aber ich gebe mein bestes und hoffe, mein erstes Video hat den meisten gefallen. Wenn nicht: Vielleicht wird das nächste besser, haha. Think positiv.

Was ich genau für Kurse wählen werde ist noch offen, da wir momentan Zeit haben uns verschiedene anzuschauen und dann bis End Oktober endgültig wählen müssen. Die meisten Professoren sind super lieb. Viele fragen auch sofort den Kurs, ob es in Ordnung ist auf Englisch zu wechseln oder machen es einfach. Wenn nicht, dann bekommt man danach alles noch mal auf Englisch erklärt, vor allem die Aufgaben. Auch die Kommilitonen sind aufgeschlossen und hilfsbereit. Dass man wenig Kontakt zu den Portugiesen hat kann ich bisher noch nicht bestätigen. Ich finde es kommt einfach immer darauf an, was man draus macht.

Es sind noch mehr Austauschstudenten im Bereich Design. Zum einen zwei Kommilitonen aus Darmstadt. Das haben wir gegenseitig auch erst vor Ort erfahren, aber ich habe mich sehr gefreut. Zwei aus Österreich, einer aus Ungarn und noch drei (?) aus der Türkei. Ganz schön viele, ich war überrascht. An der ganzen Uni sind es bestimmt noch viel mehr, allerdings bekommen wir das bisher noch nicht so mit da alles strikt in die Studienfächer aufgeteilt ist. Am 13.10 findet eine Begrüßung für die Erasmus Leute statt und ab dem 19.10 gehen auch die Sprachkurse los.

Was ich studiere? Ich weiß es nicht genau, aber ich sollte eine „Kuchen“ backen und anhand dessen eine Methodik Probleme zu Lösung veranschaulichen. Klingt wie ein Selbsthilfekurs, ist es vielleicht auch. Zweiter Band von „Kreativität aushalten“.
Ich halte es ganz gut aus bisher und weiter zu kreativen Höchstleistungen motiviert,
wie man auf dem folgenden Bild sieht.

Nudelholz - not

Wenn man kein Nudelholz Zuhause hat nimmt man eben eine Weinflasche
zum Teig ausrollen! Hat doch jeder von uns schon mal gemacht, oder?
Wer behauptet Alkohol ist keine Lösung: doooooooooch!

Zutat namens Liebe

Cinnamon buns

Zimtschnecken – problem solved

Es gibt sicherlich weiterhin viel, auch in Bezug auf die Uni, zu berichten. Ich freue mich inspiriert zu werden, andere Arbeitsweisen kennenzulernen, andere angehende Designer und vor allem die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu Deutschland herauszufinden. Ich finde das sehr spannend und bin bisher positiv überrascht. Erwartet habe ich allerdings auch nicht viel, ohne das jetzt abwertend klingen lassen zu wollen.

Bis bald,
eure Lena, die mittlerweile definitiv komplett in Lissabon angekommen ist